Die Stimmen des Regenbogens

Queere Literatur ist eine große Bereicherung – für die LGBTQ-Gemeinschaft und für alle anderen.

Juni ist Pride-Monat – Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans und andere queere Menschen feiern sich und ihre Errungenschaften im Kampf für gleiche Rechte und Akzeptanz und erinnern daran, dass es noch viel zu tun gibt. Neben Pride-Paraden und anderen Veranstaltungen ist diese Zeit eine perfekte Gelegenheit, um in queere Literatur einzutauchen, ganz gleich, ob es sich um ein erstes neugieriges Erkunden oder eine wohlvertraute Welt handelt.

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Queere Literatur gibt es nicht erst seit einigen Jahrzehnten – man denke an die Gedichte, in denen die antike Dichterin Sappho ihre Liebe zu Frauen besang, die homoerotischen Untertöne in Oscar Wildes Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“ oder die Hauptfigur von Virginia WoolfsOrlando“, die im Laufe der Erzählung ihr Geschlecht wechselt und eine Hommage an eine ebenfalls queere Freundin der Autorin darstellt. In den letzten Jahren jedoch haben Angehörige der LGBTQ-Gemeinschaft mehr sichtbare Vielfalt auch in der Welt der Literatur erreicht. Dies betrifft sowohl die Autor*innen selbst als auch die Menschen und Themen, über die geschrieben wird. Auf dem Büchermarkt leuchtet ein immer breiteres Spektrum des Regenbogens, sodass für jede*n etwas dabei ist – ob Klassiker oder Neuerscheinung, ob Liebesroman, historische Erzählung oder Biographie, Krimi oder Lyrik. Wir vom novum Verlag legen Ihnen einige gute Gründe ans Herz, sich auf einen Streifzug in die Welt queerer Literatur zu begeben.

Eigene und fremde Erfahrung

Viele passionierte Leser*innen kennen das wunderbare Gefühl, wenn man ein Stück des eigenen Selbst, des eigenen Lebens in einem Buch wiederfindet. Literatur teilt Glück, tröstet, lässt Erfahrungen bedeutsam erscheinen, sagt einem, dass man nicht allein ist. Repräsentation bedeutet, dass auch queere Menschen ihr Leben, ihre Geschichten und sich selbst auf diese Weise in der Literatur gespiegelt sehen. Das ist umso wichtiger, als ein akzeptierendes soziales Umfeld für allzu viele immer noch nicht selbstverständlich ist. Und so manchen war ein Buch Wegweiser oder Anstoß bei der Selbstfindung.

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Eine weitere, im Wortsinn phantastische Eigenschaft von Literatur ist, dass sie die Tür zu anderen Erfahrungen öffnet. Dies ist nicht nur spannend, sondern auch eine Gelegenheit zu lernen, Vorurteile zu hinterfragen (denn wir alle haben welche) und Empathie zu stärken. Das gilt sowohl für Menschen, die nicht selbst queer sind, als auch für Angehörige der LGBTQ-Gemeinschaft gegenüber anderen Facetten des Regenbogens, als auch zwischen allen Individuen. In der Leseerfahrung zeigt sich: Wir haben vieles gemeinsam. Wir haben vieles, worüber wir miteinander in ein literarisches Gespräch kommen können.

Vielfalt auf allen Seiten

Neben aller Gemeinsamkeit sind queere Erfahrungen, Identitäten und Lebensrealitäten äußerst divers. Sie unterscheiden sich je von Person zu Person, aber auch nach Alter, Herkunft, kulturellem und sozialen Kontext und vielen Faktoren mehr. Es gibt nicht das eine Buch, das sie alle einfangen könnte. Was hilft, diese Vielfalt anzuerkennen: mehr lesen (und schreiben)! Zum Glück gibt es eine wachsende Anzahl Bücher, die mit Klischees brechen. Bücher, in denen es nicht nur den schwulen besten Freund gibt, der mit der Protagonistin shoppen geht. Bücher, die sich auch denjenigen widmen, die in der öffentlichen Wahrnehmung noch wenig vorkommen, etwa Bisexuellen oder queeren Muslim*innen oder nichtbinären Personen (also Menschen, die nicht in das zweigeschlechtliche Schema von Mann und Frau passen). Wer Bücher zu geschichtlichen Themen liest, erfährt dort, dass die Vielfalt und Vielschichtigkeit sexueller Orientierungen und Geschlechtsidentitäten keine kompliziert anmutende Erfindung der letzten paar Jahre sind, sondern dass es sie, wenn auch unter anderen Begriffen, immer und überall gab. Es gibt immer mehr Bücher, die nicht nur von Schmerz, Verfolgung und Ausgrenzung erzählen (so wichtig das auch bleibt), sondern ebenso von queerer Freude, Selbstliebe, Gemeinschaft und glücklichen Enden. Es gibt queere Bücher zum Mitfiebern und Schwärmen und Weinen und Lachen. Queere Literatur macht Spaß!

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Welche Bücher mit LGBTQ-Themen haben Sie gelesen? Welches hat Sie besonders berührt, gefesselt oder Ihnen eine neue Sichtweise gegeben? Lassen Sie uns gerne in den Kommentaren teilhaben. Oder sind Sie sogar selbst inspiriert, queere Literatur zu schreiben? Gründe für das Lesen sind ebenso gute Gründe zum Schreiben. Weitere Motivation und Tipps für das Schreiben Ihres Buches finden Sie auch hier. Lassen Sie Ihrer Tastatur freien Lauf, Ihr novum Verlag.

1 Kommentar

  1. HansJörg Raaflaub

    5. Juni 2022 at 15:41

    Wir haben schon miteinander kommuniziert. Ich schreibe gerade ein Buch. Es ist sozusagen meine Geschichte, nur in einem anderen Kleid. Ich schreibe nicht in der Ichform, sondern diese teils surrealen Erzählungen nach autobiografischen Motiven handeln von einem Mann, der mir sehr ähnlich ist, aber viele dieser Kurzgeschichten sind fingiert. Der Titel ist WIR KÜSSEN UNS AUCH IM WINTER Herzliche Grüsse HansJörg Raaflaub 😊

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