In Liebe, Rousseau

In verliebter Verfassung: Diese Liebesbriefe weltberühmter Autor*innen versprechen ganz große Gefühle.

Im 14. Jahrhundert soll der Valentinstag zum ersten Mal im Zeichen der Liebe zelebriert worden sein. Die Geschichte der Liebesbriefe reicht wesentlich weiter zurück. Schon im Spätmittelalter wurde Süßholz am Papier geraspelt. In der Romantik wurde der Liebesbrief gar zum Gestus einer Hochkultur. In keinem anderen Zeitalter wurden so eifrig Gedichte geschrieben, Gefühle kuvertiert, Fantasien frankiert und Herzen verschickt wie im 18. und 19. Jahrhundert. Aus dem Briefverkehr mancher Paare wurden ganze Bücher gebunden. Und auch heute hat der Liebesbrief als Medium des Herzens längst noch nicht ausgedient. Zwar empfängt die oder der moderne Angebetete die Liebesbeweise inzwischen über den Satelliten statt über den Postboten. Doch wer sagt, dass eine Direct Message auf Instagram weniger poetisch sein muss als ein Worterguss hinter Wachssiegel? Ganz gleich, ob ein Liebesbrief on- oder offline verschickt, wird, die Botschaft bleibt die gleiche, berührt das Herz und weckt mitten im Februar Frühlingsgefühle. Um auch Sie in romantische Stimmung zu versetzen, wollen wir vom novum Verlag Auszüge aus den schönsten Liebesbriefen, die jemals geschrieben wurden, mit Ihnen teilen. Vielleicht inspirieren Sie die Verfasser sogar zu einem eigenen verbalen Liebesbeweis? Und sollten Sie bei der Formulierung Ihrer eigenen Gefühle um Worte verlegen sein, können Sie zum Valentinstag immer noch Schnitzler, Nietzsche oder Rousseau für sich sprechen lassen.

Berühmte Liebesbriefe von Autor*innen

Karl Kraus an Sidonie Nádherny von Borutin

Du Mein! Oder: Mein Ich! Niemals habe ich mit einer Frau erlebt, was mit Dir, und nie mit Dir, was ich jetzt mit Dir erlebe. Die letzten Nächte und Tage vor Deinem Brief, wachend und schlafend, waren ein einziger Brand und nun wird – so gehst Du mir zu Leibe, zu Geiste – was von mir noch übrig war, ganz verzehrt, um dann lebendiger zu sein als vorher. Wie lange wird dieses Wunder möglich sein? Werde ich, wirst Du das ertragen können?

Arthur Schnitzler an Marie Glümer

Mein teurer Schatz, ein langgedehntes Ach sollte dieser ganze Brief sein. Aber auch dieses grässliche Montagsgefühl nach einem Sonntag bei dir – nun ist es zum so und so vielten Mal erlebt. Es bleibt schmerzlich, wie es war – ich glaube fast, es wird schmerzlicher, aber die Worte, diese blöden Worte, die absolut nichts vermögen, erscheinen immer blasser – ists nicht so – Man steht ratlos vor seiner unausdrückbaren Empfindung – entweder sie ganz in sich verschließend oder sie aus stummem Leid in brutale Sprache zu übersetzen – leider gleich arg, wenn man wieder auseinander – denn sieh, wir begreifen ja doch nur die Entfernung, wenn wir beisammen sind, man glaubt nicht dran, wenn man beisammen ist, sich sieht, hört, fühlt – Warum küssen wir uns nicht noch weiter, wie gestern Abend – mir schwirren die Sinne, wenn ich mich rückerinnere. (…) Eigentlich schaudre ich zusammen, wenn ich dir den letzten Blick zugeworfen und den letzten Kuss zugeworfen – wie ich so meine Zigarre rauchend in den Wagen steige – du lässt mich weg, ich lass dich dort, so lassen wir uns den trivialen Lebensmächten über. Mizi, trotzdem ist unsre Liebe etwas Hohes und Ewiges, es ist unmöglich, dass es anders sei. Und wo du immer bist, ich bin in dir lebendig, wie du in mir, überall. Und doch, wenn ich mir dich lachend vorstelle, irgendeinen Eindruck in dir aufnehmend, der nichts mit deiner Liebe zu mir zu tun hat – es schneidet mir ins Herz. Dumm, aber unabänderlich. (…) Mein süßer Engel, schreib mir genau, alles, alles, alles. Jede Kleinigkeit. Leb wohl, sei unzählige Male geküsst, mein Einziges!

Oscar Wilde an Lord Alfred Douglas

Meine süße Rose, meine zarte Blüte, meine Lilie aller Lilien, im Kerker vielleicht erst werde ich die Macht der Liebe auf die Probe stellen. Ich will sehen, ob ich die bitteren Wasser süß zu machen vermag durch das Maß an Liebe, die ich für dich empfinde. Es gab Momente, da erschien es mir klüger, mich von Dir zu lösen. Ach! Momente der Schwäche und der Tollheit! Heute weiß ich, dies hätte mein Leben verstümmelt, meine Kunst zerstört, die Harmonien verzerrt, aus denen eine reine Seele besteht.

Jean-Jacques Rousseau an Suzanne Serre

Ich habe mich der Gefahr ausgesetzt, Sie wiederzusehen, und Ihr Anblick hat meine Befürchtungen allzu sehr gerechtfertigt, indem er alle Wunden meines Herzens wieder öffnete. Ich habe bei Ihnen den geringen Verstand, der mir noch blieb, verloren, und ich fühlte, dass ich in dem Zustand, in den Sie mich versetzt haben, zu nichts anderem mehr tauge, als Sie anzubeten. Mein Übel ist umso trauriger, als ich weder die Hoffnung noch den Willen habe, davon geheilt zu werden, und ich Sie, auf die Gefahr von allem, was daraus folgen kann, ewig lieben muss. (…) Der Ehrgeiz und der Ruhm rühren nicht ein Herz wie das meinige. Ich hatte beschlossen, den Rest meiner Tage als Philosoph zu verbringen, in einer Zurückgezogenheit, die sich mir bot. Sie haben alle diese schönen Pläne zerstört.

George Sand an Pietro Pagello

Unter verschiedenartigen Himmeln geboren, haben wir weder dieselben Gedanken, noch dieselbe Sprache; haben wir wenigstens gleichartige Herzen? Das feuchte und nebelige Klima, aus dem ich komme, hat in mir sanfte und melancholische Eindrücke hinterlassen; die edle Sonne, die Deine Stirne bräunte, welche Leidenschaften hat sie dir gegeben? Ich verstehe es zu lieben und zu leiden, und Du, wie liebst Du? (…) Bleiben wir also, wie wir sind, ohne unsere Sprache gegenseitig zu lernen. Ich will nicht wissen, was Du mit Deinem Leben tust und welche Rolle Du unter den Menschen spielst. Verbirg Deine Seele vor mir, auf dass ich sie immer als schön ansehen kann.

Friedrich Nietzsche an Mathilde Trampedach

Mein Fräulein! Sie schreiben heute Abend etwas für mich, ich will auch etwas für Sie schreiben. – Nehmen Sie all Ihren Mut Ihres Herzens zusammen, um vor der Frage nicht zu erschrecken, die ich hiermit an Sie richte: Wollen Sie meine Frau werden? Ich liebe Sie und mir ist es, als ob Sie schon zu mir gehörten. Kein Wort über das Plötzliche meiner Neigung! Wenigstens ist keine Schuld dabei, es braucht also auch nichts entschuldigt zu werden. Aber was ich wissen möchte ist, ob Sie ebenso empfinden wie ich – dass wir uns überhaupt nicht fremd gewesen sind, keinen Augenblick! (…) Wollen Sie es wagen mit mir zusammen zu gehen, als mit eine, der recht herzlich nach Befreiung und Besserwerden strebt? Auf alle Pfade des Lebens und Denkens?

Für Fans von romantischen und sinnlichen Geschichten haben wir in diesem Beitrag die zehn schönsten Liebespärchen der Literatur  zusammengetragen.

Welche Liebesgedichte und –briefe haben Sie inspiriert? Teilen Sie Ihre Abschriften oder auch eigenen Kreationen in den Kommentaren mit uns!

Lassen Sie Ihrer Tastatur freien Lauf!

Ihr novum Verlag


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3 Kommentare

  1. Anna M. Walter

    10. Februar 2022 at 17:58

    Etwas Kurzes
    Wie beschreibe ich das Wort Paradies.
    Das Paradies, dass bist DU.

  2. Ein Gedicht, von mir im Jahr 1997 geschrieben:

    Sekunden

    Es waren nur Sekunden,
    ein kurzer Blick,
    eine flüchtige Entschuldigung.
    Wir lächelten uns an.
    Es waren nur Sekunden,
    die meine Gefühle aufwühlten.
    Sekunden,
    die mich aus dem Gleichgewicht brachten.
    Sekunden,
    die mich verwirrten.
    Sekunden,
    die mein Herz schneller schlagen ließen.
    Sekunden,
    die ich nie vergessen werde.

    • Novum Verlag

      17. Februar 2022 at 16:03

      Sehr geehrter Herr Steinert,

      Es ist unglaublich wie ein so kurzer, flüchtiger Moment doch ein ganzes Leben lang anhalten kann. Danke, dass Sie dieses Wunder so lyrisch für uns verpackt haben.

      Herzliche Grüße,
      Ihr novum Verlag

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