„Yoga kann für Kinder zu einem „Freund“ werden, der sie stärkt und ihnen das Gefühl gibt, nicht alleine zu sein.“ Kinderyogalehrerin und Autorin Liliane Meier verrät uns im Interview, wie sie Kinder mit Yoga, Meditation und Empathie auf der Reise zu sich selbst begleitet.

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© Frédéric Diserens

Die Vorteile von Yoga für Körper und Geist haben Yogis auf der ganzen Welt längst schon für sich entdeckt. Dass die Bewegungslehre großes Potential für Kinder birgt, ist allerdings weniger bekannt. Welche Effekte Meditation und Yoga bei Kindern entfalten kann, beschreibt Liliane Meier in ihrem neuen Buch „Grow Healthy“. Die Autorin, Yogalehrerin und Meditationstrainerin entdeckte in der Yogapraxis den Pfad zum Ich. Inzwischen sieht sie es als ihre Lebensaufgabe, genau diesen Pfad gemeinsam mit der Menschheitsfamilie zu beschreiten und dadurch die Wege anderer zu bereichern. Das Hauptaugenmerk ihrer Reise liegt aber auf der Zusammenarbeit Kindern, denen sie in ihren „Little Yoga“ Retreats ein ganzheitliches Programm der Selbstfürsorge vermitteln will.

Gerade die Coronakrise hat gezeigt, wie wichtig Achtsamkeit für kleine Kinderseelen ist. Wie und warum die Yogaphilosophie in der ganzen Familie gelebt werden sollte, hat uns Autorin und Mutter Liliane Meier im Interview verraten.

#MindfulMorning – Online Event mit Kinderyoga & Bio-Snacks zum Weltyogatag

Wer sich von Liliane inspirieren lassen will, hat beim #MindfulMorning am 19. Juni 2021 Gelegenheit dazu. Alle Informationen zu dem kostenlosen Online Event, das Liliane gemeinsam mit dem novum Verlag und der Smoothiebowlmarke Oatsome anlässlich des Weltyogatages veranstaltet, finden Sie hier.

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© Nora Dal Cero

Dein Buch „Grow Healthy“ befasst sich mit der täglichen Yogapraxis für Kinder. Warum ist Yoga auch für Kinder empfehlenswert?

Yoga ist für alle empfehlenswert. Bei Kindern kann man mit Yoga spezifisch und spielerisch auf ihre Bedürfnisse eingehen. Kinder kennen vor allem den Schul- und  Leistungssport. Entweder sie werden darin gefördert oder finden es doof, weil ihnen durch Noten oder Bewertungssystem suggeriert wird sie, dass sie nicht „gut genug“ sind.

Beim Yoga geht es nie um Leistung. Es geht darum, den eigenen Körper und die Verbindung zum Geist und der Seele kennenzulernen. Es sind die kleinen Treppenstufen, die nach ganz oben führen.

In welchen spezifischen Bereichen kann Yoga ein Kind unterstützen?  

Bei sehr „hibbeligen“ Kindern können Atmung, Meditation oder Yoga Nidra in der Ruhe unterstützen. Bei eher „phlegmatischen“ Kindern können feurige Asanas die Freude an der Bewegung auf spielerische Weise fördern.

In deinem Buch beschreibst du die acht Stufen des Yogaweges. „Dhyana“, die Meditation, ist eine davon. Können Kinder überhaupt meditieren?

Oh ja! Kinder sind der Meditation sehr nahe. Für mich sind Meditationen mit Kindern jedes Mal eine sehr schöne Erfahrung.

Welche Vorteile bietet Meditation für Kinder?

Meditation ist die Reise nach Innen; das „Eins“ werden; den bewussten Zustand durch die Stille oder das achtsame Sein erfahren;

Kinder haften noch nicht so sehr an Erlebtem wie wir Erwachsenen. Wenn sie früh mit der Meditation beginnen, werden sie später ganz sicher mit weniger „Leid“ durch ihr Leben gehen. Das heißt, sie werden mit Entscheidungen anders umgehen und in schwierigen Momenten, die sie meistern müssen, mehr mit sich verbunden sein. Ebenso passiert im Hirn sehr viel. Das vegetative Nervensystem wird durch die Entspannungsreaktion beeinflusst. Die Selbstwahrnehmung wird verbessert. Die Emotionen werden reguliert und haben nicht die Kraft, sich so stark im System zu manifestieren.

Ich bin der Überzeugung, dass Jugendliche anders mit den Themen Angst, Drogen, Sucht, oder Depression umgehen würden, hätten sie in der Schule oder zu Hause gelernt zu meditieren. Das sollte meiner Meinung nach ein Hauptfach oder wenigstens ein wichtiges „Tool“ sein, um Kinder zu begleiten.

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© Nora Dal Cero

Auch den „Asanas“, den verschiedenen Körperhaltungen des Yogas, widmest du ein umfangreiches Kapitel. Können Kinder die gleichen Asanas wie Erwachsene ausführen oder gibt es anatomische Grenzen, die es zu berücksichtigen gilt?

Es gibt bei allen Menschen anatomische Grenzen, die zu berücksichtigen sind. Und genau dabei geht es ja bei den Asanas auch. Zu spüren, wo die „Grenzen“ des eigenen Körpers liegen, diese anzunehmen und damit zu arbeiten. Ansonsten ist das Spielfeld sehr groß. Kinder sind von Natur aus sehr beweglich und können schnell Kraft aufbauen. Da es nicht um Leistung geht, können sie Abläufe oder Asanas Schritt für Schritt aufbauen.

Warum hast du dich dazu entschieden, die Yogamatte auch mit Kindern auszurollen?

Das passierte von alleine, als ich zu Hause mit meiner ersten Tochter Mali meine Yogamatte ausrollte. Mein ist Dein – und schon war das Kinderyoga geboren. (lacht) Sie ist jetzt 17 und besucht immer noch meine Klassen. Das macht mich schon sehr glücklich.

„Der Weg des Yoga ist viel mehr nach innen gerichtet als nach außen“, lautet ein Satz aus deinem Buch. Wie ist das zu verstehen?

Ganz einfach: Stelle oder setze dich gerade hin, schließe deine Augen und atme ein paar Mal tief durch. Dann weißt du, was es bedeutet.  Und das sind nur wenige Atemzüge. Für mich war Yoga ein Türöffner für meinen inneren Weg. Ich beschäftige mich sehr stark mit Bewusstsein, Energiearbeit und innerem Wachstum. Das wird nie aufhören und ist eine ständige Aufgabe. Das tue ich jeden Tag – ich glaube, sogar in der Nacht. (lacht)

„Good-Morning-Muffins“, „Bananen-Yummies“ und „Pancakes mit buntem Topping“ – in deinem Buch finden sich auch jede Menge gesunder Rezepte und Ernährungstipps für Kinder. Welche Verbindung besteht zwischen Yoga und Ernährung?  

Wenn wir uns mit Körper, Geist und Seele oder eben innerer Arbeit auseinandersetzen, dann gehört das Essen automatisch dazu. „Du bist was du isst“, ist ein alter Spruch, in dem so viel Wahres steckt. Wir können unser Wohlbefinden, unsere geistige Verfassung, unsere Psyche und Physis zu 100% mit unserer Ernährung beeinflussen und steuern. Ein erster Schritt wäre es schon, qualitativ hochwertige, regionale Produkte zu verwerten und ab und an Fastenzeiten einzubauen, damit der Körper sich erholen kann. Wir brauchen definitiv alle weniger Mahlzeiten als wir es gewöhnt sind.

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© Nora Dal Cero

Die Coronakrise hat Familien mit Kindern vor eine neue Herausforderung gestellt. Ob Schule, Hobbies oder Sozialkontakte, die Kinder mussten auf vieles verzichten. Wie kann Yoga Kinder in herausfordernden Lebensphasen unterstützen?

Schon die Tatsache, dass Eltern sich Zeit nehmen, mit ihren Kindern etwas zu erleben, ist heilsam in einer solchen Zeit. Yoga kann für Kinder besonders in herausfordernden Zeiten zu einem „Freund“ werden, der sie stärkt und ihnen das Gefühl gibt, nicht alleine zu sein. Manchmal braucht es so wenig: Eine innere Überzeugung kann so viel bewirken!


Warum hast du dich dazu entschlossen, gemeinsam mit dem novum Verlag und Oatsome ein #MindfulMorning Event zu veranstalten?

Ich finde, es ist eine schöne Idee, dass Familien sich bei uns einklinken und mit uns das Yoga kennenlernen, etwas in der Küche zaubern und sich sogar dem Schreiben widmen können. Ich sehe es als meine Lebensaufgabe, das kollektive Feld zu stärken und zu bereichern. Diese Form der Begegnung ist zeitgemäß und macht für mich total Sinn.

In deinen „Little Yoga“ Retreats lehrst du Kinder spielerisch die Yogapraxis, Mantras und die Yogaphilosophie im Allgemeinen. Was konntest du im Gegenzug schon von Kindern lernen?

Wow, diese Frage gefällt mir! Dazu könnte ich jetzt sehr viel sagen. Kinder sind ehrlich und knallen ihre Realität direkt aufs Parkett. Kinder sind wie kleine Pflänzchen, die spezifische Pflege brauchen, um zu gedeihen. Kinder leben ihre Wahrheit. Kinder sind dem Ort, von dem wir entspringen, viel näher als wir. Ich habe von Kindern  gelernt, dass wir Erwachsene in keiner Weise über den Kindern stehen und dass ein „Machtwettkampf“ in der Erziehung nie funktioniert. Ich habe gelernt, dass Kinder uns viel aufzeigen können und dass wir Erwachsene sie unbedingt ernst nehmen müssen. Kinder brauchen keine Zeigefinger-Erziehung. Sie schalten auf Durchzug, wenn wir palavern und schauen zu uns auf, wenn wir voller Überzeugung und Mitgefühl das (vor-)leben, was für uns in Resonanz geht. Ich habe gelernt, dass die Kinder, die am meisten Liebe brauchen, auf den am wenigsten liebevollen Wegen danach fragen.

Denn Kinder brauchen Liebe und wollen ernst genommen werden!

Vielen Dank für das Gespräch!

Über die Autorin

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© Nora Dal Cero

Liliane Meier lebt mit ihren Kindern in Zürich und verfügt über eine Familienstruktur, die genauso unkonventionell ist wie ihr Leben. Sie durchlebte Trennungen von den Vätern ihrer drei Kinder und begleitete dabei ihren Nachwuchs immer mit der Absicht von Liebe und Freiheit. Auch als ihr Sohn Lou 2019 unerwartet verstarb, war das Gefühl der Liebe und Verbundenheit stärker als das Gefühl des Schmerzes. „Die Energie des Lebens ist meine Quelle und mein Antrieb. Wir sollten nie aufhören, zu lieben und zu vertrauen.“ Liliane Meier ist eine unaufhaltsame Schöpferin und zeigt mit diesem Buch, dass es sich lohnt, alte Muster zu durchbrechen und an die Magie des Lebens zu glauben.

Lilianes inspirierender Reise können Sie auch auf ihrem Instagram Channel folgen!


Über das Buch

Buchcover-Grow-Healthy-© novum Verlag

Lassen sich Yoga, gesunde Ernährung und ein gesunder Geist in den Alltag von berufstätigen Eltern und deren Kinder integrieren? Liliane Meier gewährt uns Einblick in ihre Art zu leben, in der kleine Veränderungen ein ganz neues Familiengefühl mit sich bringen.

„Grow Healthy – Yoga, Meditation und gesundes Essen für Kinder“
Liliane Meier
264 Seiten
ISBN: 978-3-903271-93-7
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