Vorbildlich!

Welche Schriftsteller lesen eigentlich Schriftsteller? Wir erweitern mit den Buchempfehlungen sechs bekannter Autoren Ihre Leseliste fürs Frühjahr!

„Es geht uns mit Büchern wie mit den Menschen. Wir machen zwar viele Bekanntschaften, aber nur wenige erwählen wir zu unseren Freunden“, Ludwig Feuerbach. Wenn es um Bücher geht, haben wir alle unsere Vorlieben. Während die einen in Thrillern versinken, verfallen die anderen den Romanen. In manchen Wohnungen glänzen Klassiker als Wandschmuck, in anderen verstauben sie als Bettstütze. Noch gröber als mit Genres verhält es sich nur mit Autoren. Denn wenn es um unsere Lieblingsschriftsteller geht, haben wir Vielleser klare Prioritäten. Irving Jüngern geht nichts über Komplexität, während Hemingway Fans Klarheit und Präzision bevorzugen. Der Rationalist wird keinen Coelho lesen, der Spiritualist keinen Kihn und doch eint vielleicht beide eine Vorliebe für Jordan Peterson.

Dass vom Buchclub bis zum -laden keine Kongruenz herrscht, liegt in der Natur der Sache. Denn unterschiedliche Leser fühlen sich von unterschiedlichen Schriftstellern verstanden. Oft finden sich die Positionen großer Schriftsteller in unseren eigenen Gedanken- und Glaubensmustern wieder. Mitunter verinnerlichen wir die Wertewelten unserer Vorbilder so fest in unseren Köpfen, dass wir sie in unserem verbalen Repertoire verankern. Wir exzerpieren sie, wir rezitieren sie, wir zitieren sie – wir speichern sie in unserem individuellen Sprachprogramm. Und sind wir Schriftsteller, dann schreiben wir sogar wie sie. Selbst die größten Schriftsteller gehen bei ihren Idolen in die Lehre.

Doch wer sind eigentlich die Vorbilder von Schriftstellern? Welche Koryphäen haben wohl die großen Autoren der Gegenwart inspiriert? Wir vom novum Verlag haben die Stilikonen sechs populärer, zeitgenössischer Schriftsteller recherchiert. Das Ergebnis ist eine Leseliste, die sowohl Lesern als auch Autoren und Neuautoren eine beachtliche Frühlingslektüre bietet. 

Die Vorbilder von Schriftstellern

Michael Köhlmeier

Der österreichische Universalpoet Michael Köhlmeier, der selbst Prosa klingen lässt wie Gedichte, ist bekennender Verehrer von Philip Roth. Der amerikanische Autor, der viele Jahre lang als Kandidat für den Literaturnobelpreis gehandelt wurde, und erst im Mai 2018 verstorben ist, schrieb in Summe rund 30 Romane. Zu seinen bedeutendsten Werken zählen „Der menschliche Makel“ oder auch „Portnoys Beschwerden“. In Köhlmeiers Bibliothek dürfen aber auch Tolstoi und Thomas Mann nicht fehlen. Ein besonderes Bekenntnis ist Köhlmeiers Faible für Bob Dylan: „Er ist der Künstler, der mir am meisten Freude bereitet hat in meinem Leben. Viele Songs halte ich für so große Lyrik, dass man, ohne rot zu werden, sagen kann: Ja. Bob Dylan hat den Literaturnobelpreis verdient.“

John Irving

Intertextualität ist bei Irving Programm. Wohl schon viele Leser haben in Irvings Romanen Inspiration für neue Lektüre gefunden. Das beste Beispiel liefert sein Roman „Gottes Werk und Teufels Beitrag“, aus dem sich auch ein Verweis auf John Irvings Lieblingsschriftsteller herauslesen lässt. Denn Dr. Larch, einer der Hauptprotagonisten, liest seinen Schützlingen im Waisenhaus Nacht für Nacht aus David Copperfield, einem Roman von Charles Dickens vor. Kein Zufall, wie sich aus Irvings Liebe für Dickens erschließt. Schließlich soll es Dickens Roman, „Große Erwartungen“, gewesen sein, der in John Irving den Wunsch geweckt hat, Schriftsteller zu werden: „Das ist ein Grund, warum so viele meiner Hauptfiguren Kinder sind, wenn man ihnen zum ersten Mal begegnet. Man kann einen Leser emotional eher überzeugen, wenn man ihn Mitgefühl für ein Kind oder einen Teenager entwickeln lässt.“  Zu Irvings weiteren Literaturtipps zählen Thomas Hardy, Herman Melville und Günter Grass.

Daniel Kehlmann

Einen Schriftsteller, von dem man noch viel lernen kann, wähnt Bestsellerautor Daniel Kehlmann in Vladimir Nabokov. Der russische Schriftsteller zählt zu den einflussreichsten Erzählern des 20. Jahrhunderts und wurde mit seinem umstrittenen Roman „Lolita“ sowohl berühmt, als auch berüchtigt. Werdenden Schriftstellern empfiehlt Kehlmann Nabokovs Buch „Deutliche Worte“. Die Textsammlung aus Briefen und Interviews erlaubt nicht nur Einblick in Nabokovs Sprachgenie, sondern auch in sein kongeniales Selbstbewusstsein. So kommen in „Deutliche Worte“ weder Thomas Mann noch Fjodor Dostojewski ungescholten davon. „Ja, Nabokov mag Dostojewski nicht, hält Thomas Mann für einen Kitschautor, und muss lachen, wenn man ihn nach Saul Bellow oder William Faulkner fragt“, so Kehlmann in seinen Ausführungen zum Buch. Von der Kritik an den Kollegen könne man aber dennoch viel lernen: „Dieses Buch enthält so viele Hinweise, wie der Beruf des Schreibens zum Gelingen zu führen ist, dass man gar nicht weiß, wo anfangen mit dem Zitieren. (…) Vor allem aber ist „Deutliche Worte“ das Dokument für ein Leben, in dessen Zentrum immer und in jedem Moment die Literatur stand: die beständige Schwerarbeit der Suche nach dem richtigen Ausdruck, die Mühe und Freude der Formung und schließlich die selbstbewusste Zufriedenheit dessen, der wusste, wieviel ihm gelungen war.“ Und Nabokov musste es wissen – schließlich gab der Autor nur schriftliche Interviews, weil ihm die Mangelhaftigkeit der spontanen Sprache aufs Schmerzlichste bewusst war: „Ich denke wie ein Genie, ich schreibe wie ein Schriftsteller von Rang und ich rede wie ein kleines Kind.“

Joanne K. Rowling

Romantische Veranlagung verrät Joanne K. Rowlings Verehrung für Jane Austen. Die britische Schriftstellerin, die mit Werken wie „Stolz und Vorurteil“ oder „Mansfield Park“ zu den Klassikern der Weltliteratur zählt, hat Rowling zweifellos beeinflusst. Denn mit jenem feingeistigen Humor, für den Austens Dialoge bekannt sind, sind zum Teil auch die Harry Potter Romane ausgestattet. Daneben genießen – wenig verwunderlich – auch die Kinderbuchautoren C. S. Lewis und Edith Nesbit Rowlings größte Wertschätzung. Mehr Inspiration von weiblichen Stilikonen, wie zum Beispiel Virginia Woolf, finden Sie übrigens hier.

Benedict Wells

Der deutsch-schweizerische Schriftsteller Benedict Wells, der mit Büchern wie „Becks letzter Sommer“ oder auch „Vom Ende der Einsamkeit“ sein Bild vom literarischen Wunderkind bestätigt hat, gibt neben Nick Hornby den amerikanischen Schriftsteller John Irving als Vorbild an. Geprägt hätten ihn vor allem die beiden Werke „Das Hotel New Hampshire“ und „Garp und wie er die Welt sah“: „Das waren Bücher, bei denen ich beim Lesen erstmals den Wunsch hatte, selbst solche Geschichten zu erzählen und solche Figuren zu erschaffen, die anderen Menschen einmal so viel bedeuten würden, wie mir seine Figuren.“

Martin Suter

Den Mythos vom reinen Genie erfüllt wahrscheinlich Martin Suter, der in keinem seiner Interviews ein konkretes Vorbild benennt. Ganz unberührt von seinen Kollegen bleibt der Autor der „Allmen Serie“ dann aber doch nicht.  Zumindest beeindruckt hätten den  Schweizer laut eigenen Angaben E. T. A. Hoffmann und sein Roman „Die Elixiere des Teufels“: „Er ist für mich der Hitchcock der Romantik. Dort habe ich das entdeckt, dieses Spiel mit der Erwartung und Überraschung, den Zusammenhang von Dramaturgie und Sprache.“

Und welche Autoren haben Sie besonders beeinflusst? Hinterlassen Sie uns Ihre Buch- und Schriftstellerempfehlungen in den Kommentaren!

Lassen Sie Ihrer Tastatur freien Lauf,

Ihr novum Verlag


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