Gut aufgelegt

Gedicht, Kritiken, Kurzgeschichten – diese Literaturmagazine eröffnen die schönsten Seiten des Schreibens.

Literaturzeitschriften haben eine lange Tradition. Blickt man auf ihre Geschichte, so kann man sie bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Anfangs bestand ihre Aufgabe allerdings nicht ausschließlich in der tieferen Auseinandersetzung mit Sprachästhetik. Viel mehr widmeten sie sich den Sachtexten der Wissenschaft, indem sie deren wesentliche Errungenschaften in den Blickpunkt rückten. Theologie, Philosophie, Jurisprudenz und Medizin dominierten die Inhaltsverzeichnisse von Aufklärung und Romantik. Später, im beginnenden 18. Jahrhundert, fand allmählich auch der Sinn für das Schöne Einzug in den Verlagsalltag. Erstmals widmeten sich Zeitschriften wie das „Athenaeum“, die „Berliner Abendblätter“, die „Blätter für literarische Unterhaltung“ oder „Briefe, die Neueste Litteratur betreffend“, herausgegeben von keinem Geringeren als Gotthold Ephraim Lessing, den Belles Lettres. Lessing spezialisierte sich auf Rezensionen, deren scharfsinnige Analysen er, der seiner Auffassung nach vorherrschenden Rezensionsunkultur der Aufklärung, gegenüberstellte. Kritiken, geschrieben wie Kunstwerke, füllten neben Leseproben und Neuvorstellungen die Blätter der boomenden Literaturnews.

Literaturmagazine einst und heute

Die Begeisterung für Bücher, und noch mehr deren Zergliederung, reicht hinein bis in die Popkultur. Längst schon hat die moderne Pressearbeit den Büchermarkt überschwemmt. Plots und Presseaussendungen sind an die Stelle moderner Literaturtheorie getreten. Und das Generöseste seines Geistes hat der Zeitschriftenmarkt längst eingebüßt. Doch mitunter findet man sie noch, die Preziosen der Literaturszene, die scharfen Kritiken, die Polemiken, die zwischen Zynismus und Zuspruch wanken. Es gibt sie noch, die Literaturmagazine, die nicht die Masse, sondern den Sinn bedienen, und sich nicht zurücknehmen in Satzstruktur und –länge. Magazine, die den Leser nicht unterfordern, sondern auffordern. Wir vom novum Verlag haben fünf von ihnen ausfindig gemacht. Wichtig sind sie vor allem für die Schriftsteller selbst geworden, die oft vergeblich nach einer weiteren Publikationsplattform suchen. Vielleicht verrät Ihnen unsere Übersicht, an wen Sie sich im Zweifelsfall wenden können:

manuskripte

Gegründet im Jahr 1960, kann das manuskript Magazin auf eine beachtliche Liste bekannter Autoren verweisen. Unter anderem wirkten schon Schriftsteller wie Wolfgang Bauer, Elfriede Jelinek oder Peter Handke am Entstehungsprozess des Literaturmagazins mit. Sogar die „Wiener Gruppe“, zu deren bekanntesten Vertretern Gerhard Rühm oder H. C. Artmann zählen, bereicherte ein paar Ausgaben des Magazins mit ihrem bahnbrechenden Geist. Die aktuelle Ausgabe erschien im September 2018 und eröffnet Lesern einen literarischen Mix aus Erzählungen, Romanauszügen, Experimentallyrik und Essays.

TITEL kulturmagazin

Als relativ junges Mitglied ordnet sich das TITEL kulturmagazin in die Annalen der Literaturmagazine ein. Das Onlinemagazin präsentiert seine Inhalte in aufschlussreicher Darbietung. Der Inhalt folgt einem konsequenten Wochenkonzept. So wartet zum Beispiel der Montag mit Rezensionen zu Jugendbuch, Kinderbuch, Kurzprosa, Lyrik, Krimi und Roman auf, während der Dienstag von Digitalem oder der Mittwoch von Comics bestimmt wird. Lyriker werden sich über das TITEL-TEXTFELD freuen, in dem regelmäßig Gedichtauszüge verkostet werden können, während TITEL Essayist Wolf Senff jeden Sonntag seine Ansichten zu Gesellschaft, Politik und Kultur mit seinen Lesern teilt.

wespennest

 Die „Zeitschrift für brauchbare Texte und Bilder“ stellt in jeder ihrer Ausgaben einen anderen Schwerpunkt in ihren Mittelpunkt. So erleben Leser im Halbjahresintervall Gedankenexperimente zu Idiotie, Kulturerbe oder Entfremdung. Vielversprechend mutet vor allem die letzte Ausgabe zum Thema „Idiotie“ an. So heißt es etwa im Editorial: „Gesamtgesellschaftlich sind wir Idioten, die sehr genau wissen, dass sie Idioten sind, aber von der Idiotie so wenig lassen können wie der Trinker vom Alkohol.“ Wer mehr lesen will, bestellt das wespennest am besten im Abo inklusive zweier, auserlesener Ausgaben pro Jahr.

Entwürfe

Speziell für Neuautoren dürfte die Zeitschrift Entwürfe von Interesse sein. Das Zürcher Blatt für Nachwuchstalente sucht für jede neue Ausgabe Autoren zu einem jeweils wechselnden Thema. Bis zu 18.000 Zeichen dürfen die Textspenden zu Überbegriffen wie „Streifen“, „Rauch“, „Schnee“, „Leuchten“ oder „Klang“ aufweisen. Daneben finden in Entwürfe aber auch Fotografie und Bildende Kunst ein Plätzchen zum Entfalten.

[SIC]

 An jungen und innovativen Zugängen versucht sich die Zeitschrift [SIC] weder in Online- noch in Printpublikation vergeblich. Moderne Beiträge tragen sich unter anderem in Themenkategorien zu, die von Rap bis Prosa, und von der Schweiz bis Deutschland reichen. Passend zu so mancher Ausgabe gibt es sogar eine eigene Mu[SIC] Playliste, die Künste verschiedener Gattungen auf Spotify zu einen sucht.

BuchLAND

Auch unsere eigene Verlagspublikation, das BuchLAND Magazin, wollen wir Ihnen an dieser Stelle nicht vorenthalten. Gerichtet an Neuautoren, erledigt das BuchLAND Magazin mit Autoreninterviews, Schreibtipps, Buchempfehlungen und Marketingtipps die Bedürfnisbefriedigung des belesenen Lesers. Das BuchLAND Magazin steht hier kostenlos zum Download zur Verfügung.

Nachdem das literarische Spektrum an dieser Stelle noch lange nicht ausgeschöpft ist, stellen wir Ihnen weitere, lesenswerte Exempel in einem weiteren Beitrag zur Serie der besten Literaturmagazine vor. Inzwischen können sie aber sicher auch auf den Herbstbuchmessen die ein oder andere Neuentdeckung machen.

Und in welchen empfehlenswerten Zeitschriften schmökern Sie in Ihrer Freizeit? Teilen Sie Ihre Lieblingsmagazine mit uns in den Kommentaren!

 Lassen Sie Ihrer Tastatur freien Lauf!

 Ihr novum Verlag

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