BookCrossing – Wenn Bücher das Weite suchen

Für Jäger und Sammler – mit dem BookCrossing Prinzip erweitern Bücherfans auf der ganzen Welt ihre literarische Landkarte.

„Welchen Kummer deiner Seele du auch ertränken willst, deine Bibliothek ist der beste Keller“, heißt es beim französischen Schriftsteller Jean Cocteau. Wie vielen Menschen ist Cocteau mit diesem Zitat wohl schon zum Innenarchitekten geworden. Leseenthusiasten ist das Papier der Bücher spätestens seit dem Buchdruck die bessere Tapete. Und wo einstmals Gemälde die Wände verkleideten, wärmen heute Buchrücken über Büchrücken die Kälte einer nackten Wand. Wir Bücherfans verstehen es unsere Privatbibliotheken in Szene zu setzen. Zurecht ist Platzmangel im Bücherregal der einzige Mangel, den wir als Bereicherung empfinden. Denn was kann sich ein Bibliophiler schon Schöneres vorstellen, als ein Bücherregal, das sich biegt unter der Last aus Seiten, Worten, und der Schwerkraft der Poesie?

Sharing is caring! Wohin mit alten Büchern?

Doch spätestens wenn Bücher statt Polster die Bettlandschaft schmücken, oder wir die Badewanne zum Bücherschrank befördern, sollten wir es einsehen: Irgendwann muss jeder einmal loslassen. Oder, um es mit den Worten von BookCrossern zu beschreiben, irgendwann müssen wir alle etwas freilassen – unsere Bücher zum Beispiel. Denn BookCrosser teilen ihre Bücher mit der ganzen Welt.

Das Bookcrossing wurde 2001 vom Amerikaner Ron Hornbaker erfunden, der vom Traum beseelt war, einen freien Buchclub zu gründen. Er hatte die Idee, Bücher in die Freiheit zu entlassen, um ihnen einen neuen Sinn zu geben. Ein Ansatz, der schnell Anklang finden sollte. Zu oft verstauben Bücher, die uns berührt, bewegt oder nachhaltig geprägt haben, als stumme Beobachter in unseren Regalen. Der Grund liegt auf der Hand. Bücher erreichen uns auf einer sehr persönlichen Ebene, nicht selten bauen wir eine Beziehung zu ihnen auf. Sie wegzuwerfen erscheint uns ebenso grotesk wie der Gedanke sie zu essen. Zwar besteht immer noch die Option das Buch zu verschenken, zu spenden oder auch in öffentlichen Bücherregalen zu platzieren. Bücherzellen sind zum Beispiel begehrte Ausflugsziele von Buchenthusiasten. Durch das BookCrossing besteht jedoch erstmals die Möglichkeit den weiteren Werdegang seines Buchs zu beobachten und – über seine eigene Geschichte hinaus – eine völlig neue zu schreiben.

Das BookCrossing Prinzip

Doch wie funktioniert BookCrossing eigentlich und wie kann man es betreiben? Aufgebaut ist das globale Büchernetzwerk auf drei einfachen Schritten: Kennzeichnen, Teilen und Folgen.

Zuerst wird das Buch mit einem Aufkleber und einer eigenen BookCrossing ID Nummer gekennzeichnet. Beides erhält man auf der offiziellen Website von BookCrossing unter www.bookcrossing.com. Unterschieden wird zwischen klassischen und künstlerischen Aufklebern. BookCrossing Insider vergessen nie ihre Bücher mit individuellen Designs zu versehen, bevor die Bücher auf ihre Reise geschickt werden.

Der zweite Schritt ist der wohl schwierigste der Reise: Nun ist es Zeit loszulassen. Weitergeben kann man seine literarischen Schützlinge auf völlig verschiedene Arten und Weisen. Der einfachste Weg ist es das Buch einfach an Freunde, Verwandte oder Bekannte weiterzugeben. Eine Option, die vor allem Anfängern den Weg ins BookCrossing erleichtern wird. Etwas mehr Mut braucht es hingegen fürs Freilassen. Hier überlässt man alles dem Zufall. Um ein Buch freizulassen, vergisst man es einfach absichtlich an einer Stelle seiner Wahl. Um sicherzustellen, dass das Buch auch gefunden wird, sollte man zu diesem Zweck öffentliche Räume ins Auge fassen. Eine Parkbank bietet sich ebenso an wie die Mensa der Universität. Fortgeschrittene versuchen sich in kreativeren Varianten, in denen die Bücher zum Beispiel in sogenannten Offiziellen BookCrossing Zones, kurz OBCZ genannt, verstaut werden. Alternativ können Bücher aber auch in Form von Geocaches versteckt werden. Beim Geocaching handelt es sich um eine moderne Schnitzeljagd, bei der man sich mithilfe einer App auf die Suche nach dem zu hebenden Schatz begibt. Der Vorteil liegt darin, dass man außer Büchern auch noch andere Gegenstände in der Box verstauen und dadurch ganz individuelle Botschaften in die Welt entsenden kann.

Zuletzt folgt der spannendste Schritt, die Nachverfolgung. Findet ein BookCrossing oder auch BookCrossing Muggel dein Buch, so kann er es auf der offiziellen BookCrossing Plattform registrieren, einen Eintrag im Bookjournal hinterlassen und das Buch auch schon auf seine nächste Reise schicken. Literaturjäger müssen sich übrigens nicht auf ihr Glück verlassen, die Standorte vereinzelter Bücher sind ebenfalls auf der BookCrossing Plattform verzeichnet.

Warum BookCrossing?

Durch das Journal wird das Buch praktisch noch um zahlreiche, weitere Seiten und Geschichten ergänzt. User können ihre Interpretationen zu den gefundenen Büchern in Form von Rezensionen, Kommentaren oder auch ganzen Feuilletons teilen. Das einstige Lieblingsbuch, vorher noch im Regal vereinsamt, erfährt durch das BookCrossing plötzlich eine völlig neue Geschichte. Und auch Begegnungen mit Menschen, die den Enthusiasmus teilen, sind nicht ausgeschlossen. Denn inzwischen zählt die Plattform schon stolze 1.927.398 BookCrosser und 12.539.054 Bücher aus 132 Ländern dieser Welt – und es kommen Tag für Tag neue User dazu.

Ziel des BookCrossings ist es laut der Begründer Menschen durch Bücher miteinander zu verbinden. Ein Gedanke, der gerade in einer Zeit schwindender, zwischenmenschlicher Beziehungen und abnehmenden Leseinteresses von größter Bedeutung ist. Wir vom novum Verlag schicken jedenfalls schon bald eines unserer Bücher auf die Reise.

Und wann entlassen Sie Ihr Buch in die freie Wildbahn? Teilen Sie Ihre Meinung zum BookCrossing mit uns in den Kommentaren!

 Lassen Sie Ihrer Tastatur freien Lauf,

 Ihr novum Verlag

 Sie suchen noch nach einem nomadischen Buch für Ihre ersten BookCrossing Schritte? Hier werden Sie fündig!

 

 

 

 

 

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